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Presse Aussendungen

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Donnerstag, 11 Juni 2020

Der Rat der tschechischen Behörde für Atomabfall (SURAO) hat die möglichen Standorte für ein Atommülllager von neun auf vier reduziert. Betroffene Gemeinden sind weitgehend von der Entscheidungsfindung ausgeschlossen. Minister Havlicek wollte Veröffentlichung der vier Standorte verhindern.

Österreichische NGOs kritisieren die intransparente Vorgangsweise der tschechischen Regierung und fordern Unterstützung der tschechischen Gemeinden seitens der österreichischen Bundesregierung.

Montag, 01 Juni 2020

Der Bau des fünften Blockes soll auf Kosten der Steuerzahler durchgepeitscht werden – Entgegen früheren Ankündigungen der tschechischen Regierung soll durch einen Staatskredit der Bürger das volle Risiko tragen. Völlig unrealistische Kostenberechnungen und Kostenüberschreitungen führen zu Steigerung des Gefährdungspotentials. Bundesregierung muss unrealistische Planungen stoppen.

Montag, 18 Mai 2020

Die neuerlich ungeplante Abstellung von Block 1 im AKW Temelin und Weiterbetrieb ohne Kenntnis der Ursache stimmt bedenklich. Das Anti Atom Komitee fordert von der Bundesregierung eine völlige Aufklärung des Zwischenfalls und die Stilllegung des Reaktors zu verlangen.

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Sonntag, 26 Januar 2020

Antwort des tschechischen Premierministers


Sehr geehrter Herr Doppler,
als Antwort auf Ihren offenen Brief, in dem Sie Ihre Besorgnis über die Entwicklung der Kernenergie in der Tschechischen Republik zum Ausdruck bringen, hat unser Ministerpräsident mich beauftragt, Ihnen zu antworten.

Die Tschechische Republik hat sich wie andere EU-Mitgliedstaaten bereit erklärt, bis 2050 die CO2-Neutralität zu erreichen. Voraussetzung für die Erreichung dieses Ziels ist jedoch eine ausreichende Menge an Energie aus CO2-freien Quellen. Die Tschechische Republik hat eine Kohlekommission eingesetzt, die sich mit möglichen Szenarien der Umleitung von Kohlekraft in den nächsten 30 Jahren befassen soll, und sich daher für die Entwicklung erneuerbarer Energiequellen und der Kernenergie entschieden. Gleichzeitig hat sich die Tschechische Republik verpflichtet, den Energiebedarf ihrer Bevölkerung und Wirtschaft zu decken, insbesondere im Falle der Stilllegung bestehender Energiequellen
Quellen in Nachbarstaaten. Im Bereich der grenzüberschreitenden Stromflüsse bleibt die Tschechische Republik ein Exporteur. Mit dem Ausstieg aus der Energieerzeugung aus Kohle könnte die Tschechische Republik kurzfristig zu einem Importeur werden, wenn der Stromverbrauch von Jahr zu Jahr zunimmt, und selbst Nachbarstaaten, die Strom in die Tschechische Republik importieren, müssen sich diesen Herausforderungen stellen. 2018 betrug der grenzüberschreitende Saldo der Tschechischen Republik 13,90 TWh zugunsten der Exporte, hauptsächlich nach Österreich und in die Slowakei. Zu Ihrer Information, gleichfalls im gleichen Jahr betrug der Unterschied zwischen den Exporten und Importen von Elektrizität aus und in die Republik Österreich 10,75 TWh.

Ähnlich wie die Europäische Kommission betrachtet die Tschechische Republik die Kernenergie als emissionsfreie Quelle, da diese Quellen in den letzten 35 Jahren zur Reduzierung der CO2-Emissionen beigetragen haben und somit zur Erreichung der Klimaziele beitragen. Dies ist der positive Beitrag der Kernenergie.
Wir sind uns voll und ganz darüber im Klaren, dass jede Energiequelle einige Emissionen aufweist, wenn wir den gesamten Ansatz der Ökobilanz (Life Cycle Assessment, LCA) in den Bewertungsprozess einbeziehen. Die von Ihnen gemeldeten Werte von 120 g bzw. 170 g CO2 / KWh werden jedoch im Vergleich zu den Daten des Internationalen Gremiums für Klimaänderungen (IPCC) überschätzt. Durch den Vergleich der Ergebnisse von Hunderten von wissenschaftlichen Studien auf der ganzen Welt im Jahr 2014 werden die folgenden Daten wie folgt angegeben: Die Stromerzeugung aus den KKW erzeugt 12 g, aus der Windkraftanlage 11 g oder 45 g CO2 pro kWh Photovoltaik.
Die Tatsache, dass Kernenergie eine emissionsarme Quelle ist, wird von einer Vielzahl von Wissenschaftlern bestätigt und von vielen relevanten internationalen Institutionen anerkannt. Sie erwähnen, dass der weltweite Anteil der Kernenergie an der Stromerzeugung nur 10% beträgt und nicht zur Bekämpfung des Klimawandels herangezogen werden kann, während die Internationale Energieagentur (IEA) einen Anstieg dieses Anteils aufgrund des Baus neuer KKW in Asien erwartet. Darüber hinaus heißt es in dem EU-Dokument "Ein sauberer Planet für alle - Eine strategische langfristige Vision für eine prosperierende, moderne, wettbewerbsfähige und klimaneutrale Wirtschaft in Europa", dass der Anteil der Kernenergie in der EU mindestens auf dem derzeitigen Stand von bis 2050 bleiben muss, um das CO2-Neutralitätsziel effektiver zu erreichen. Um diese Behauptung zu untermauern, hat die OECD durch ihre zahlreichen Studien gezeigt, dass Staaten mit einem erheblichen Anteil an Kernkraft in ihrem Energiemix weniger CO2 ausstoßen. Darüber hinaus gelangte die World Nuclear Association (WNA) in ihrem Bericht zu dem Schluss, dass Kernenergie nach einer Betrachtung des gesamten Lebenszyklus vergleichbare Emissionen erzeugt wie die Stromerzeugung aus Wasserkraft, Windkraft oder Biomasse.
Gleichzeitig legt die tschechische Regierung großen Wert auf den sicheren Betrieb der KKW, einschließlich der Entsorgung radioaktiver Abfälle. Das Staatliche Amt für nukleare Sicherheit in der Tschechischen Republik ist eine völlig unabhängige Behörde. Besonderes Augenmerk wird auf die Sicherheit der künftigen Kernkraftwerke gelegt, die die strengsten Anforderungen erfüllen, die von den europäischen und nationalen Regulierungs- und Gesetzgebungsbestimmungen vorgegeben werden.

Wir beobachten die neuen Entwicklungen auf dem Gebiet der Nukleartechnik, um die neuesten Trends in der Entwicklung von Kernreaktoren zu nutzen. Dabei legen wir großen Wert auf Sicherheit und Wirtschaftlichkeit des Betriebszeitraums. Gleichzeitig wird der Ansatz zur Entsorgung radioaktiver Abfälle und abgebrannter Brennelemente verantwortungsbewusst in einer stabilen geologischen Tiefenlagerstätte mit einem hohen Maß an Sicherheit gelöst, wie dies auch in anderen europäischen Mitgliedstaaten der Fall ist.
Wir erkennen den österreichischen Weg der Energieversorgungssicherheit an. Trotzdem im Falle der Tschechen Republik ist es notwendig, die geografischen Fähigkeiten des Staates zu berücksichtigen, die es nicht ermöglichen, den Energiebedarf der Bevölkerung nur auf der Grundlage erneuerbarer Energiequellen zu decken. Aus diesem Grund hat die Tschechische Republik einen ausgewogenen Energiemix gewählt, der die Entwicklung der erneuerbaren Energiequellen und der Kernenergie hervorhebt, um eine stabile und erschwingliche Stromversorgung für Bevölkerung und Wirtschaft zu gewährleisten. Die Entwicklung der
Kernenergie steht nicht im Widerspruch zur Entwicklung erneuerbarer Energiequellen. im Gegenteil, diese Ansätze ergänzen sich sehr gut. Darüber hinaus sind wir bestrebt, die Energieeffizienz zu verbessern.

Abschließend möchte ich meine Überzeugung zum Ausdruck bringen, dass Sie verstehen und respektieren werden, dass die tschechische Art der Energieentwicklung verantwortungsbewusst und korrekt ist und dazu dient, die Bedürfnisse des Staates und der Bürger unter Einhaltung der in Paris vereinbarten Klimaziele zu erfüllen.

Gleichzeitig möchten wir Ihnen versichern, dass wir an einer Kommunikation mit der österreichischen Seite interessiert sind und dass deshalb der stellvertretende Ministerpräsident und Minister für Industrie und Handel Karel Havlíšek, zu dessen Zuständigkeit die Energie gehört, bereit ist, Sie persönlich aufzunehmen.


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